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HOAI 2021 - Honorarzonenerhöhung durch Änderung der Projektanforderungen  


FLEMING.CONSULTING.
(@alexander-fleming)
Vertrauenswürdiges Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 51
Themenstarter  

Die Honorarzonenzuordnung erfolgt bereits zu Beginn der Zusammenarbeit der beiden Parteien und somit meist zum Zeitpunkt der Gestaltung/Unterzeichnung des Architekten- bzw. Ingenieurvertrages. Dieses Vorgehen gleicht dem "Blick in die Glaskugel“.

Der § 5 Abs. 3 #HOAI 2021 stellt zwei Möglichkeiten zur Bestimmung der Honorarzone für Grundleistungen bei Gebäuden vor. Einerseits die Ermittlung über die Bewertungsmerkmale (§ 35 Abs. 2 HOAI 2021) i.V.m. den Bewertungspunkten (§ 35 Abs. 4,6 HOAI 2021) und andererseits die Zuordnung anhand der Regelbeispiele in den Objektlisten gem. Anlage 10.2 HOAI 2021.

Erfolgt die Honorarzonenermittlung mit Hilfe der Bewertungsmerkmale zu Beginn des Projektes, so spiegelt das dadurch resultierende Ermittlungsergebnis auch nur die Beurteilung der zu diesem Zeitpunkt bekannten planerischen Projektanforderungen wieder.

Da bekanntlich fast ausschließlich jedes Bauvorhaben nicht ohne nachträgliche Planungsänderungen realisiert wird, können solche Vorgabenänderungen eine Werteverschiebung und folglich gar eine Korrektur der zuvor festgelegten Honorarzone erforderlich machen.

Resultierend aus dieser Schlussfolgerung kann eine objektive und faire Honorarzoneneinstufung niemals zu Beginn des Projektes abschließend festgelegt werden.

Die einzige logische Konsequenz daraus führt nicht an einem stetigen Soll-Ist-Vergleich der Projektanforderungen und einer Überprüfung der Honorarzonenkonformität beim Projektabschluss vorbei.

Da geschätzt 99,9% der Inhaber von Architektur- und Ingenieurbüros dieses mögliche Nachtragspotential außer acht lassen, verlieren/verschenken sie das ihnen zustehende Honorar.

FLEMING.CONSULTING.
Sachverständigenbüro für Honorare & Leistungen der Architekten und Ingenieure (HOAI)
Mobil: 0157-75703987
Mobil: 0178-2050704
E-Mail: info@fleming-consulting.de
Web: www.fleming-consulting.de


Zitat
fdoell
(@fdoell)
Mitglied Moderator
Beigetreten: Vor 18 Jahren
Beiträge: 26
 

Guten Tag Herr Fleming,

das würde ich sehr viel differenzierter sehen, denn Verträge sind grundsätzlich einzuhalten.

Nur für den Fall, dass die Parteien einen Vorbehalt dergestalt vereinbart hatten (und das hatten sie praktisch nie), dass die endgültige Honorarzone sich nach dem realisierten Objekt richtet, ergab sich eine Neubewertung der Honorarzone allein aus dem Vertrag. 

Ergab sich nach Realisierung des Projekts bei objektiver Betrachtung eine höhere Honorarzone als vereinbart, konnte zu der Zeit, als die HOAI als verbindliches Preisrecht angesehen wurde, eine Aufstockungsklage auf das Mindesthonorar (korrekte Honorarzone, Mindestsatz, Nebenkosten und Honorar für besondere Leistungen auf Null gesetzt) erfolgen, wenn das gesamte vertraglich vereinbarte Honorar (mit allen Honorarparametern und der Nebenkostenvergütung sowie dem Honorar für die Besonderen Leistungen) geringer war als das og. Mindesthonorar. Dabei kam es nicht auf die Auskömmlichkeit jedes einzelnen Honoraranteils an, sondern nur darauf, dass das gesetzliche Mindesthonorar nicht unterschritten wurde (OLG Rostock, Urteil vom 25.02.2009 - 2 U 21/07; BGH, Beschluss vom 08.04.2010 - VII ZR 61/09 (NZB zg.)).

Jedoch auch wenn die objektiv richtige Honorarzone höher lag als die vereinbarte, sah das OLG Hamm - da jede "objektive" Punktewertung auch gewisse subjektive und damit schwankende Bewertungsanteile beinhaltet - eine Überschreitung von 2 Bewertungspunkten noch als hinnehmbar an, so dass an der niedrigeren vertraglichen Honorarzone festzuhalten sei (Urteil vom 13.01.2015 - 24 U 136/12; BGH, Beschluss vom 25.06.2015 - VII ZR 35/15 NZB zg.), d.h. erst ab 3 Bewertungspunkten über der vereinbarten Honorarzone war der vorgenannten Mindestsatzvergleich überhaupt anzustellen. 

Ob der Mindestsatzvergleich dann insgesamt eine Erhöhung der Vergütung nach sich zog, ergab sich immer nur aus dem Einzelfall, nie generell. Denn vielfach waren die Vergütungsanteile aus höheren Honorarsätzen als dem Mindestsatz, Nebenkosten und Vergütung für Besondere Leistungen so hoch, dass sich bei Ansatz des og. gesetzlichen Mindesthonorars kein höherer Betrag ergab.

Nun gilt die HOAI 2021 und die hat bekanntlich per definitionem nur noch Empfehlungscharakter. Eine Honorarerhöhung wegen objektiv höherer Honorarzone als vereinbart hat also nur noch dann eine juristische Grundlage, wenn eine solche nachträgliche Überprüfung von vornherein vertraglich vereinbart wird. Wer dies bewusst vereinbart (als Auftraggeber und als Auftragnehmer), wird es dann i.d.R. wohl auch durchführen. In allen anderen Verträgen, in denen eine solche Überprüfung bzw. die Regelung, dass sich die Honorarzone endgültig nach dem realisierten Objekt richtet, nicht explizit enthalten ist, gibt es also kein "Nachtragspotential" aus der objektiv höheren Honorarzone. Auf welcher Grundlage sollte das auch entstehen?

 

Mit herzlichen Grüßen
Friedhelm Doell
ö.b.v. HOAI-Sachverständiger
doell@doellconsult.de


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