Bundesbahndirektion verwandet sich in Wuppertals neue Verwaltungsmitte
„BuBaDi” klingt nach einem lockeren Spitznamen, steht aber für einen der gewichtigsten Verwaltungsbauten im Bergischen Land: die ehemalige Bundesbahndirektion Wuppertal, errichtet in mehreren Etappen zwischen 1875 und 1940, prominent am Döppersberg gelegen, unmittelbar neben dem Hauptbahnhof. Aufgrund ihrer leicht erhöhten Lage und der klassizistischen weißen Fassade sprechen die Architekten von kister scheithauer gross (ksg) von einer „Akropolis der preußischen Verwaltung im Rheinland”. Seit 2008 stand das Gebäude leer. Seit 2025 ist es fertig saniert. Und seit dem Frühjahr 2026 ist es vollständig belegt.
Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute in der BuBaDi. Neben dem Jobcenter und der Bergischen Universität, die jeweils Teile des Gebäudes nutzen, hat die Stadtverwaltung Wuppertal mehrere Einheiten an den neuen Standort verlagert: das Einwohnermeldeamt, das Straßenverkehrsamt, Bezirkssozialdienste sowie Teile des Ressorts Kinder, Jugend und Familie. Dezernentin Sandra Zeh sprach von einem Bürgerzentrum im Herzen Wuppertals, das den Ansprüchen an hohe serviceorientierte Dienstleistungsqualität und moderne Arbeitswelten gerecht werde. Die Konzentration verschiedener Einheiten an einem Standort ermöglicht es der Stadt zudem, mehrere bisher angemietete Objekte aufzugeben und strukturell Kosten einzusparen.
Behutsame Transformation mit klarer Haltung
Beauftragt hatte das Revitalisierungsprojekt die Clees Unternehmensgruppe, die die Immobilie nun an die Stadt vermietet. Das Kölner Büro ksg, mit Standorten auch in Leipzig und Berlin, übernahm die Planung unter der Entwurfsverantwortung von Prof. Johannes Kister. Die Bruttogrundfläche beträgt 24.000 Quadratmeter.
Das Vorgehen folgte einem klaren Prinzip: Verdichtung innerhalb der historischen Bausubstanz statt Abriss und Neubau, Aufwertung der historischen Besonderheiten statt Überformung. Die massive gemauerte Gebäudestatik blieb vollständig erhalten. Die wichtigsten gestalterischen Eingriffe nahmen die Architekten in den beiden Innenhöfen vor, die sie im Erdgeschoss mit einer eingestellten Holzkonstruktion teilweise überdachten. Die transparente Pfosten-Riegel-Fassade steht in bewusstem Kontrast zur massiven Geschlossenheit des Bestands, große Oberlichter durchbrechen die Gründächer und bringen Tageslicht in die Räume.
Das vorhandene Staffelgeschoss wurde erneuert und in seiner Höhe angehoben, der Querriegel zwischen den beiden Höfen erhielt eine Aufstockung, die mit einem Walmdach aus Zink abschließt. So erscheint das Gebäudevolumen aus einem Guss, ohne dass ein abgesetztes Staffelgeschoss die Tektonik der Fassade unterbricht.
Historische Schichten sichtbar gemacht
Besonders sorgfältig gingen die Architekten mit den historischen Innenräumen um. Zuvor abgehängte Kappen-Tonnengewölbe in den Gängen wurden freigelegt und auf ihre ursprüngliche Erscheinung zurückgeführt. Die farbig gestalteten historischen Treppenhäuser erhielten ihre ursprüngliche Farbpalette zurück und bilden nun einen Kontrast zur neuen, sichtbaren und unbehandelten Holzkonstruktion der Innenhöfe. Das Aufeinandertreffen der Zeitschichten erfolgt, so ksg, selbstverständlich aus der neuen Funktion heraus: Die Interventionen begleiten die inhaltliche Neuausrichtung von einem hierarchischen Direktionsgebäude zu einem offenen, barrierefreien Stadthaus.
Für Architekten und Bauplaner, die im Bestand arbeiten, zeigt das Projekt, wie ein denkmalgeschütztes Gebäude mit einem klaren gestalterischen Konzept in eine zeitgemäße Nutzung überführt werden kann, ohne seine Identität zu verlieren. Die Herausforderung liegt nicht im Abriss des Alten, sondern in der präzisen Entscheidung, was erhalten, was freigelegt und was neu hinzugefügt wird. Die BuBaDi gibt darauf eine überzeugende Antwort.
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