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Siegerentwurf für den Checkpoint Charlie steht fest

Check Point Charlie Perspektive
© A24 Landschaft, Holzer Kobler Architekturen und Argus Stadt und Verkehr

Kaum ein Ort in Deutschland trägt so viel Geschichte in sich und wird gleichzeitig so wenig seiner Bedeutung gerecht wie der Checkpoint Charlie in Berlin. An der Ecke Friedrichstraße und Zimmerstraße, wo einst Soldaten mit Waffen und Scheinwerfern den Übergang zwischen zwei Welten kontrollierten, verkaufen heute Händler Sowjet-Mützen und DDR-Devotionalien. Rund vier Millionen Menschen besuchen den Ort jährlich, und zwei der häufigsten Stichworte in den Bewertungen lauten „Kalter Krieg” und „Touristenfalle”. Damit war das Problem benannt, das Berlin seit Jahren beschäftigt.

 

Am 9. September 2026 hat ein Preisgericht unter Vorsitz des Landschaftsarchitekten und Stadtplaners Axel Lohrer einstimmig einen Siegerentwurf für die Neugestaltung des Areals gekürt. Ausgelobt hatte den zweiphasigen, europaweiten Realisierungswettbewerb die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie der Stiftung Berliner Mauer. 22 interdisziplinäre Teams aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Architektur und Szenografie nahmen teil, 14 davon gelangten in die zweite Runde.

Ein Entwurf mit ikonologischer Kraft


Den ersten Preis, dotiert mit 32.000 Euro, erhielt das Berliner Büro A24 Landschaft, das gemeinsam mit Holzer Kobler Architekturen (Berlin) und ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft (Hamburg) antrat. Dem Jury-Vorsitzenden Lohrer zufolge gelang dem Team nicht nur der beste Spagat zwischen den vielfältigen Anforderungen, sondern es entwickelte auch ein „nur zu diesem Ort passendes Bild von hoher ikonologischer Kraft”. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt lobte die Arbeit als gelungene Interpretation der historischen Atmosphäre, die vorhandene Relikte und Zeugnisse durch präzise gesetzte neue Artefakte ergänze und verstärke. Damit gelinge neben der rationalen Vermittlung von Geschichte auch eine emotionale Ansprache der Besucherinnen und Besucher.


Was das konkret bedeutet, lässt sich am Kontrast zu den anderen Preisrängen ablesen. Der zweite Preis, vergeben an Koeber Landschaftsarchitektur (Stuttgart) mit SPACE4 und Steimle Architekten, zeigte sich deutlich gefälliger: Bäume und Ausstellungswände in lockerer Streuung über die gesamte Fläche, ein Entwurf, der die historische Leere füllt, dabei aber auch den Kfz-Verkehr auf der Friedrichstraße am stärksten einschränkt. Der dritte Preis, vergeben an Weidinger Landschaftsarchitekten (Berlin) mit Wandel Lorch Götze Wach (Frankfurt am Main), inszenierte den ehemaligen Grenzübergang als Transitraum und setzte Glaswände links und rechts der Friedrichstraße.

Komplexe Anforderungen, ein langer Vorlauf

 

Die Auslobung formulierte ein anspruchsvolles Programm. Gefordert war, die „historische Leere, Strenge und Weite” des ehemaligen Grenzübergangs zu bewahren und gleichzeitig Informationsvermittlung und Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Denkmalgeschützte Brandwände sollten sichtbar bleiben, klimawirksame Begrünung und Beschattung waren ebenso Pflicht wie die Berücksichtigung einer für 2030 geplanten Reduzierung des Durchgangsverkehrs auf der Friedrichstraße und des Ausbaus der Zimmerstraße zur Fahrradstraße. Dem Wettbewerb vorausgegangen war ein Dialogverfahren, aus dem gestalterische Leitlinien entstanden, die auch für zwei angrenzende, noch unbebaute Grundstücke des Projektentwicklers Gold.Stein gelten.

 

Für Architekten und Stadtplaner ist das Verfahren in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es zeigt, wie ein komplexes Interessengeflecht aus Denkmalpflege, Erinnerungskultur, Verkehrsplanung und Klimaanpassung in einem strukturierten Wettbewerbsverfahren aufgelöst werden kann. Und es verdeutlicht, dass die Qualität eines öffentlichen Raums nicht allein durch Nutzungsprogramme entsteht, sondern durch eine klare gestalterische Haltung.

 

Wie geht es weiter?

 

An den Wettbewerb schließt nun ein Vergabeverfahren zur Beauftragung der ausgeschriebenen Leistungen an. Der Bund stellt im Rahmen der Gedenkstättenkonzeption 1,65 Millionen Euro für die Neugestaltung bereit. Umgesetzt wird die Baumaßnahme durch Grün Berlin, die Betreuung und Kuration des künftigen Bildungs- und Erinnerungsortes übernimmt die Stiftung Berliner Mauer. Die Fertigstellung ist für 2033 vorgesehen.

 

Die Wettbewerbsarbeiten werden am 12. Oktober 2026 im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung vorgestellt und vom 13. bis 23. Oktober im Neuen Stadthaus in Berlin ausgestellt.

Checkpoint Charlie Lageplan
© A24 Landschaft, Holzer Kobler Architekturen und Argus Stadt und Verkehr

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