Vom Gate zum Hörsaal: Der Umbau des Tegel-Terminals beginnt
Es war der Flughafen der kurzen Wege: Mit dem Taxi direkt ans Gate, kurze Wege zum Flieger, schneller Abflug. Als das Terminal A des Flughafens Tegel 1974 nach Plänen des Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp) eröffnet wurde, galt es als Musterbeispiel moderner Verkehrsarchitektur. Das sechseckige Gebäude, das Hexagon, wurde zur Ikone der deutschen Nachkriegsarchitektur. Seit November 2020 steht es unter Denkmalschutz. Und seit dem 27. Juli 2026 wird es offiziell umgebaut.
Mit dem symbolischen Spatenstich fiel der Startschuss für den Umbau des Terminal A zum künftigen Campus TXL der Berliner Hochschule für Technik (BHT). Rund 2.390 Studierende sollen dort künftig lernen, forschen und arbeiten. Die Fertigstellung der Hauptbaumaßnahme ist für 2032 vorgesehen, Bausenator Christian Gaebler nannte vor Ort das Jahr 2031. Bauherrin ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Mit der Generalplanung wurde bereits Anfang 2017 das Büro agn Niederberghaus und Partner (Ibbenbüren) beauftragt. Die Gesamtkosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 450 Millionen Euro, davon werden 170 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes finanziert.
Jahre der Vorarbeit
Bevor der sichtbare Umbau beginnen konnte, war umfangreiche Vorarbeit nötig. Seit 2023 liefen vorgezogene Maßnahmen: Das Gebäude wurde entkernt, großflächig von Schadstoffen befreit und in Teilen zurückgebaut. Die Bestandsstrukturen waren mit asbesthaltigen Baustoffen verputzt, was eine aufwendige Sanierung erforderte. Das Servicegebäude A2 sowie die Parkpalette im Innenring des Hexagons wurden abgerissen. Rund 40.000 erhaltenswerte, geschützte Bauteile lagerten die Bauteams fachgerecht ein.
Besonders aufwendig gestaltet sich die Restaurierung der markanten roten Fluggastbrücken. Vier der ehemals 14 Brücken sollen original erhalten bleiben. Da sie stark verwittert sind, müssen sie vollständig demontiert, aufgearbeitet und anschließend wieder eingebaut werden. Elmar Rottkamp, Architekt und Geschäftsführer bei agn, betonte, wie komplex dieser Prozess ist: Die eingeschränkte Zugänglichkeit des Gebäudes während der Planungsphase machte präzise Bestandserfassung zur Grundvoraussetzung.
BIM als digitales Denkmal
Um die Anforderungen des Denkmalschutzes präzise zu erfassen, setzte agn auf Laserscanning und Building Information Modeling. Das Ergebnis: ein digitales Denkmal, das jedes einzelne Element des Gebäudes dokumentiert und kartiert. Rottkamp beschrieb die BIM-Methode als Werkzeug, das komplexe Zusammenhänge verständlich und handhabbar mache. Für Architekten, die im Bestand arbeiten, ist dieser Ansatz wegweisend: Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden mit eingeschränkter Zugänglichkeit und unklarer Bestandsdokumentation schafft das digitale Modell eine verlässliche Planungsgrundlage.
Das äußere Erscheinungsbild des Terminals bleibt weitgehend erhalten und wird lediglich durch eine zeitgemäße Verglasung ergänzt. Auch die charakteristische Grundstruktur der Ankunftsebene sowie die farbigen Orientierungstürme sollen bewahrt werden. Im Inneren entsteht ein neues Nutzungskonzept: Hörsäle, Seminarräume, Labore, eine Bibliothek sowie Verwaltungsflächen und eine Mensa. Die früheren Parkdecks im Innenring werden zu einem begrünten Campusplatz. Der teilweise Rückbau der alten Umfahrung schafft Platz für einen sogenannten Skywalk, der für zusätzliche Erschließung und Aufenthaltsqualität sorgen soll.
Energiekonzept und städtebaulicher Rahmen
Auch bei der Energieversorgung setzt das Projekt auf zukunftsfähige Lösungen. Geplant ist ein LowEx-System, das mit Temperaturen unter 50 Grad arbeitet und dadurch Ressourcen schont. Torsten Heywinkel, ebenfalls Geschäftsführer bei agn, erklärte, das Projekt zeige, wie ein optimiertes Wärme- und Kältenetz Energieverluste nachhaltig reduzieren könne.
Der neue Campus ist Teil der Urban Tech Republic, eines rund 200 Hektar großen Forschungs- und Industrieparks auf dem ehemaligen Flughafengelände. Direkt angrenzend entsteht im Terminal B ein Gründungs- und Innovationszentrum, auf dem Areal findet außerdem die neue Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie ihren Platz. Das Büro gmp, als Urheber des Bestandsbaus im laufenden Austausch, verantwortet die denkmalgerechten Umbauplanungen für Hauptgebäude, Tower und vorgelagerte Zufahrten bis zur Baugenehmigung. Die Ausführungsplanung liegt bei der ARGE chaixetmorel und Schüssler-Plan GP.
Was einst als Flughafen der kurzen Wege gefeiert wurde, soll künftig als Hochschule der kurzen Wege funktionieren: kurze Verbindungen zwischen Ausbildung, Forschung und praktischer Anwendung. Ob das gelingt, wird sich ab 2032 zeigen.
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