Stromausfall in Berlin: Warum die Reparatur Tage dauert
Flächendeckender Stromausfall mitten im Winter
Am Samstag, dem 03.01.2026, kam es im Berliner Südwesten zu einem großflächigen Stromausfall. Rund 50.000 Haushalte mit etwa 90.000 Menschen, sowie mehr als 2.000 Gewerbebetriebe waren plötzlich ohne Energieversorgung. Auch Pflegeheime, Krankenhäuser, Schulen, Kitas und Supermärkte waren betroffen. Besonders dramatisch ist die Situation angesichts winterlicher Temperaturen. Strom und Heizung fallen gleichzeitig aus.
Die vollständige Wiederherstellung der Versorgung dauerte mehrere Tage an. Die zentrale Frage lautet seitdem: Warum dauert die Reparatur so lange?
Sabotage an einer zentralen Kabelverbindung
Behörden gehen als Auslöser des Stromausfalls von gezielter Brandstiftung auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal in Berlin Lichterfelde aus. Über diese Brücke verlaufen mehrere Hoch- und Mittelspannungskabel, die das Heizkraftwerk Lichterfelde mit umliegenden Stadtteilen verbindet. Nach aktuellem Stand wurden fünf Hochspannungskabel mit 110 Kilovolt sowie rund zehn Mittelspannungskabel im Bereich von 10 bis 30 Kilovolt zerstört. Zusätzlich wurde die Kabelbrücke selbst erheblich beschädigt. Die eingesetzten Brandsätze erzeugten eine derart hohe und langanhaltende Hitzeentwicklung, dass selbst stark gesicherte Kabelanlagen massiv zerstört wurden.
Keine Kabel wie im Haushalt
Für Außenstehende klingt es zunächst simpel einige Kabel zu ersetzen. Tatsächlich handelt es sich bei den betroffenen Leitungen um hochkomplexe technische Systeme. Hochspannungskabel für 110 Kilovolt bestehen aus mehreren exakt aufeinander abgestimmten Schichten zur Feldsteuerung, Isolierung und mechanischen Stabilisierung. Schon kleinste Verunreinigungen können fatale Folgen haben.
Zum Einsatz kommen sowohl Kunststoffkabel auf Basis von VPE Isolierung als auch sogenannte Ölkabel. Letztere stehen dauerhaft unter Druck und enthalten ölgetränkte Papierisolierungen.
Arbeiten ohne Fehlertoleranz
Die Reparatur solcher Kabel duldet keinerlei Abweichungen. Staub Fingerabdrücke oder kleinste Luftblasen können bei Betriebsspannungen von 110.000 Volt zu Teilentladungen führen. Diese wirken wie winzige Kurzschlüsse innerhalb der Isolierung und zerstören das Kabel schrittweise von innen. Im Extremfall kommt es zu einem plötzlichen Erdschluss mit erheblichem Gefahrenpotenzial. Deshalb muss exakt gearbeitet werden. Allein das präzise Abtragen der einzelnen Kabelschichten dauert pro Kabelende viele Stunden.
Temperatur als kritischer Faktor
Hinzu kommt die Witterung. Kunststoffisolierte Hochspannungskabel dürfen nicht bei Temperaturen unter plus fünf Grad bearbeitet werden. Bei Kälte entstehen mikroskopisch feine Risse im Material. Diese sind von außen nicht sichtbar führen jedoch später zu Isolationsversagen. Deshalb müssen die Baustellenzelte über Tage hinweg beheizt werden, bevor überhaupt mit der Montage begonnen werden kann. Auch die Kabel selbst müssen langsam auf Verarbeitungstemperatur gebracht werden. Das verlängert die Arbeitsdauer erheblich ist jedoch technisch unverzichtbar.
Provisorium ist keine einfache Lösung
Häufig wird gefragt, warum keine schnelle provisorische Lösung möglich ist. Auch ein Provisorium muss den gleichen physikalischen Anforderungen standhalten wie eine dauerhafte Verbindung.
Andernfalls würde es beim ersten Hochfahren der Spannung sofort versagen. Bei der Übergangslösung werden bislang ungenutzte Ölkabel mit neuen VPE-Kabeln verbunden. Solche Übergänge erfordern spezielle Übergangsmuffen die mehrere Meter lang sein können und teils mehrere Tonnen wiegen. Diese Bauteile sind keine Lagerware, sondern Einzelanfertigungen.
Kritische Infrastruktur unter Druck
Der Berliner Stromausfall macht deutlich, wie verletzlich selbst hochentwickelte Netze sind. Das Stromnetz der Hauptstadt umfasst rund 35.000 Kilometer Leitungslänge. Der überwiegende Teil verläuft unterirdisch, dennoch bleiben einzelne Knotenpunkte besonders sensibel.
Dieser Vorfall ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie entscheidend Redundanzen, Zugänglichkeit und Schutzkonzepte bei kritischer Infrastruktur sind. Technische Exzellenz allein reicht nicht aus, wenn gezielte Angriffe einzelne neuralgische Punkte lahmlegen können.
Fazit
Die Reparatur der beschädigten Kabelanlagen in Berlin ist kein organisatorisches Versagen, sondern eine technisch hochkomplexe Aufgabe. Arbeiten an Hoch- und Mittelspannung erfordern spezialisiertes Personal und Bauteile mit langen Vorlaufzeiten.
Der aktuelle Stromausfall zeigt eindrücklich, wie anspruchsvoll der Betrieb moderner Energieinfrastruktur ist.
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