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Offshore Windpark He Dreiht setzt neuen Leistungsmaßstab

Offshore Windpark He Dreiht

Ein Meilenstein für die Offshore Windenergie
Mit der ersten eingespeisten Kilowattstunde hat der Offshore Windpark
He Dreiht einen entscheidenden Projektschritt erreicht. Rund 85 Kilometer nordwestlich von Borkum erzeugte erstmals eine der neuen Windkraftanlagen Strom und speiste diesen ins Übertragungsnetz ein.
Damit beginnt die Inbetriebnahmephase des derzeit größten Offshore Windparks Deutschlands.
In den kommenden Wochen sollen schrittweise weitere Anlagen folgen. Insgesamt sind 64 Windkraftanlagen geplant. Spätestens bis zum Sommer 2026 soll der gesamte Windpark vollständig in Betrieb sein. Mit einer installierten Gesamtleistung von 960 Megawatt setzt He Dreiht neue Maßstäbe für die Offshore Windenergie in Deutschland.

Premiere für die 15 Megawatt Klasse
Zum Einsatz kommt bei He Dreiht erstmals weltweit die Windkraftanlage Vestas V236 mit einer Leistung von 15 Megawatt im kommerziellen Betrieb. Diese neue Leistungsklasse verändert die Dimensionen der Offshore Technik grundlegend. Eine einzelne Rotorumdrehung reicht rechnerisch aus um vier Haushalte einen ganzen Tag lang mit Strom zu versorgen. Der Rotor erreicht einen Durchmesser von 236 Metern und überstreicht bei einer Umdrehung eine Fläche von rund 43.700 Quadratmetern. Das entspricht etwa sechs Fußballfeldern. Die Nabenhöhe liegt bei 142 Metern. Zum Vergleich zeigt ein Blick in die Vergangenheit die rasante Entwicklung der Technik. Der Offshore Windpark EnBW Baltic 1 arbeitete im Jahr 2010 noch mit Anlagen von 2,3 Megawatt Leistung. Diese Leistungssteigerung bedeutet für Planer und Ingenieure eine deutliche Verschiebung der technischen Anforderungen. Fundamentbau, Lastannahmen, Logistik und Montageabläufe bewegen sich in einer neuen Größenordnung.

 

Komplexe Infrastruktur unter der Wasseroberfläche
Neben den sichtbaren Windkraftanlagen spielt die unterseeische Infrastruktur eine zentrale Rolle. EnBW hat die interne Parkverkabelung des Windparks bereits abgeschlossen. Die Seekabel verbinden alle Anlagen miteinander und leiten den erzeugten Strom zur zentralen Konverterplattform, betrieben vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT. Die Kabel wurden von Spezialschiffen auf dem Meeresboden verlegt und eingespült. Anschließend erfolgte der Einzug in die Fundamente der Windkraftanlagen. Über die Konverterplattform wird der Strom gebündelt, von Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt und über zwei Hochspannungs-Gleichstrom-Kabel an Land transportiert. Die Netzanbindung erfolgt über das  BorWin5 System bis zur Konverterstation in Niedersachsen. Für Ingenieurbüros zeigt sich hier exemplarisch wie stark Offshore Projekte von präziser Koordination abhängen. Seekabel, Fundamente, Plattformbau und Netztechnik müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, um spätere Betriebsrisiken zu minimieren.

 

Großprojekt ohne EEG-Marktprämie
Bemerkenswert ist auch die wirtschaftliche Struktur des Projekts. He Dreiht wird ohne EEG-Marktprämie realisiert. Die Investitionssumme liegt bei rund 2,4 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte der Anteile hält ein Partnerkonsortium bestehend aus internationalen institutionellen Investoren. Rechnerisch kann der Windpark künftig den Strombedarf von rund 1,1 Millionen Haushalten decken. Für EnBW ist He Dreiht ein strategisches Schlüsselprojekt im Rahmen der eigenen Energiewende-Strategie. Der Konzern plant den Anteil erneuerbarer Energien im Erzeugungsportfolio bis 2030 deutlich zu erhöhen.

 

Relevanz für Planung und Baupraxis
Auch wenn Offshore Windparks ein hoch spezialisiertes Segment darstellen, lassen sich viele Erkenntnisse auf andere Großprojekte übertragen. He Dreiht zeigt, wie stark technische Innovation, serielle Bauprozesse und digitale Planung miteinander verzahnt sind. Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt die wachsende Bedeutung langlebiger Infrastruktur für die Energiewende. Für Architekten, Bauingenieure und Fachplaner steht He Dreiht damit sinnbildlich für eine neue Generation von Infrastrukturprojekten. Hohe technische Komplexität, langfristige Investitionszyklen und präzise Ausführung bestimmen zunehmend die Anforderungen an Planung und Bau. Der erfolgreiche Start der Stromproduktion markiert daher nicht nur einen energiewirtschaftlichen Meilenstein, sondern auch einen wichtigen Referenzpunkt für das Bauen der Zukunft.

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