Vom Industrieareal zum bunten Stadtquartier
Mit dem Beschluss des Bebauungsplans hat der Münchner Stadtrat den Weg für ein neues Stadtquartier im Norden der Landeshauptstadt freigemacht. Auf dem ehemaligen Produktionsgelände von Knorr-Bremse in Milbertshofen soll in den kommenden Jahren das Quartier „DAS ANDERS“ entstehen. Das mehr als fünf Hektar große Areal liegt zwischen Moosacher Straße, Lerchenauer Straße, der Straße Am Oberwiesenfeld und dem DB-Nordring und war über viele Jahrzehnte ein abgeschotteter Industriestandort.
Nun beginnt hier ein grundlegender Wandel. Statt Produktionshallen soll ein gemischtes Quartier entstehen, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Damit ist das Projekt auch Teil einer größeren städtebaulichen Entwicklung im Münchner Norden.
Der Baubeginn ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Die Fertigstellung des gesamten Quartiers wird derzeit für das Jahr 2031 erwartet.
Wohnen, Arbeiten und Alltag im selben Viertel
Zentraler Bestandteil der Planung ist eine vielfältige Nutzung des Areals. Neben Wohnungen entstehen Büros, Gastronomieflächen, Kindertagesstätten und ein Pflegeheim. Ein öffentlicher Park bildet das grüne Herz des neuen Quartiers.
Geplant sind rund 600 Mietwohnungen für bis zu ca. 1.200 Menschen. Ergänzt wird das Wohnangebot durch Arbeitsplätze für etwa 4.500 Beschäftigte in den vorgesehenen Büroflächen. Ziel ist ein lebendiges Stadtquartier, in dem unterschiedliche Funktionen eng miteinander verzahnt sind.
Dieses Konzept folgt der Idee der sogenannten 15 Minuten Stadt. Alltägliche Einrichtungen sollen möglichst fußläufig erreichbar sein. Für die Planung bedeutet das eine enge Mischung aus Wohnraum, Arbeitsplätzen, Versorgung und Freizeitangeboten.
Auch die soziale Durchmischung spielt bei der Entwicklung eine wichtige Rolle. Ein Teil der Wohnungen wird gefördert oder preisgedämpft angeboten. Zudem sind zusätzliche Wohnungen für besondere Personengruppen wie Studierende, Auszubildende und Senior*innen vorgesehen.
Architektonische Akzente im Münchner Norden
Städtebaulich soll das Quartier ebenfalls neue Akzente setzen. Ein markanter Hochpunkt mit bis zu 88 Metern Höhe – das PANORAMA – bildet künftig den Eingang zum Gebiet an der Ecke Moosacher Straße und Am Oberwiesenfeld. Ergänzt wird das Ensemble durch Blockrandstrukturen und freistehende Baukörper. Das Gebäude BUNTER MARKT im Westen des Quartiers wird als Nahversorger für die künftigen Nutzer:innen des Quartiers dienen.
An der Planung sind mehrere international tätige Architekturbüros beteiligt. Die Entwürfe stammen unter anderem von Martin Henn, Christoph Ingenhoven, Henning Larsen sowie den Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann. Ziel ist eine architektonisch vielfältige Bebauung mit unterschiedlichen Gebäudetypologien.
Ein Teil des historischen Bestands bleibt ebenfalls erhalten. Das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude der Knorr Bremse wird homogen in die Planung integriert.
Nachhaltigkeit als zentrales Planungsprinzip
Auch in energetischer Hinsicht setzt das Quartier auf neue Konzepte. Die Gebäude sollen weitgehend ohne fossile Energieträger betrieben werden. Heizen und Kühlen erfolgt über ein System aus Grundwasser, Photovoltaik und Ökostrom.
Darüber hinaus sollen beim Bau langlebige und möglichst recycelbare Materialien eingesetzt werden. Regenwasser wird nach dem Prinzip der sogenannten Schwammstadt gesammelt und beispielsweise für die Bewässerung der Grünflächen genutzt.
Großzügige Freiräume und ein zentraler Park sollen das Mikroklima verbessern und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Damit wird eine bislang weitgehend versiegelte Industriefläche in ein begrüntes Stadtquartier umgewandelt.
Mobilität ohne Dominanz des Autos
Auch beim Verkehr verfolgt das Projekt einen neuen Ansatz. Fußgänger, Radfahrer und der öffentliche Nahverkehr stehen im Mittelpunkt des Mobilitätskonzepts.
Sharing Angebote mit Elektroautos, Fahrrädern und Lastenrädern sollen den individuellen Mobilitätsbedarf abdecken. Ergänzend sind Bike Lounges und eine ausgebaute Infrastruktur für E-Mobilität vorgesehen.
Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gilt als besonders günstig. Die U-Bahn-Station Oberwiesenfeld liegt in unmittelbarer Nähe und verbindet das Gebiet direkt mit dem Münchner Stadtzentrum.
Zwischennutzung als Experimentierfeld
Bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen, wird das Gelände bereits temporär genutzt. Seit August 2025 läuft dort das Zwischennutzungsprojekt „LUCKY STAR“.
Auf einer großen Freifläche entstand so ein öffentlich zugänglicher Ort für Sport, Kultur und Begegnung, der schon heute Begeisterte in DAS ANDERS Quartier zieht. Mittelpunkt ist eine begehbare Sternstruktur, entworfen vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV. Rund um diese Installation gibt es Sportflächen, Veranstaltungsbereiche und Gastronomie.
Die Zwischennutzung soll das Areal bereits vor dem Baubeginn für die Stadtgesellschaft öffnen und neue Formen urbaner Nutzung ausprobieren. Gleichzeitig dient sie als Vorgeschmack auf das geplante Quartier.
Mit der Entwicklung von „DAS ANDERS“ entsteht damit nicht nur neuer Wohnraum, sondern ein Beispiel für die Umwandlung ehemaliger Industrieflächen in gemischte Stadtquartiere.
Für den Münchner Norden könnte das Projekt zu einem wichtigen Impulsgeber der weiteren Stadtentwicklung werden.
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