Skip to content

Eine Ikone der DDR Moderne wird für die Zukunft vorbereitet

Kino International
Kino International Innen

Mit seiner markanten Architektur gehört das Kino International zu den bekanntesten Bauwerken der Berliner Nachkriegsmoderne. Der Bau entstand zwischen 1961 und 1963 nach Entwürfen der Architekten Josef Kaiser und Heinz Aust und bildet bis heute einen prägenden Bestandteil des städtebaulichen Ensembles an der Karl-Marx-Allee.


Nach rund 18 Monaten Bauzeit wurde das traditionsreiche Premierenkino nun umfassend saniert und technisch erneuert. Verantwortlich für die Planung und Umsetzung waren die Dickmann Richter Architekten aus Berlin, die das Projekt in den Leistungsphasen 3 bis 8 betreuten. Ziel war eine denkmalgerechte Instandsetzung, die sowohl den architektonischen Charakter des Hauses erhält als auch die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Nutzung schafft.


Für Planer und Architekten zeigt das Projekt exemplarisch, wie komplex der Umgang mit bedeutender Nachkriegsarchitektur sein kann. Denn das Gebäude ist nicht nur architektonisch anspruchsvoll, sondern auch kulturhistorisch eng mit der Geschichte Berlins verbunden.

Architektur als inszeniertes Raumerlebnis

 

Das Kino International war von Beginn an mehr als ein klassisches Lichtspielhaus. Großzügige Foyers, Klubräume und eine Bibliothek gehörten ursprünglich zum Raumprogramm. Das Gebäude sollte als gesellschaftlicher Treffpunkt fungieren und zugleich internationales Flair vermitteln.
Bis heute prägt vor allem die sorgfältig inszenierte Raumfolge das Besuchererlebnis. Vom Eingangsbereich mit seiner markanten goldfarbenen Decke gelangen Gäste über eine Garderobenhalle und geschwungene Treppenaufgänge in das großzügige Foyer mit Panoramabar. Von dort öffnet sich schließlich der Blick in den Kinosaal mit seiner charakteristischen wellenförmigen Decke und dem berühmten Paillettenvorhang.
Diese architektonische Dramaturgie bildete den zentralen Ausgangspunkt für die Sanierungsplanung. Der Anspruch lautete, die Raumwirkung vollständig zu erhalten und gleichzeitig die technische Infrastruktur des Gebäudes grundlegend zu modernisieren.

 

Technische Erneuerung hinter historischen Oberflächen

 

Ein wesentlicher Teil der Arbeiten fand daher im Verborgenen statt. Um die komplette Gebäudetechnik zu erneuern, mussten zahlreiche historische Bauteile zunächst demontiert werden. Anschließend wurden sie restauriert und an derselben Stelle wieder eingebaut.
Allein die hölzernen Wandlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche summieren sich auf eine Gesamtlänge von rund sieben Kilometern. Sie wurden kartiert, abgenommen, gereinigt und nach der technischen Erneuerung erneut montiert. Auch Natursteinflächen, Betonwerksteinböden sowie die markante Golddecke im Eingangsbereich wurden restauriert.
Parallel dazu erhielt das Gebäude eine vollständig neue technische Infrastruktur. Installationsleitungen, Rohrsysteme und Elektroinstallationen wurden ersetzt, moderne Lüftungs- und Heizsysteme integriert und der Brandschutz auf den aktuellen Stand gebracht. Gleichzeitig wurden neue Projektionstechnik und eine zeitgemäße Akustik installiert.
Die energetische Wirkung dieser Maßnahmen ist erheblich. Durch die neue Gebäudetechnik konnte der Energiebedarf des Gebäudes um rund siebzig Prozent reduziert werden.

 

Handwerkliche Restaurierung im großen Maßstab

 

Besonders aufwendig erwies sich die Restaurierung der historischen Ausstattung. Ein Beispiel ist der berühmte Premierenvorhang im Kinosaal. Das über 400 Quadratmeter große textile Element besteht aus rund 40 Millionen Pailletten.
Die einzelnen Vorhangbahnen wurden abgenommen, gereinigt und auf einem neu gewebten Trägerstoff wieder zusammengesetzt. Ein spezialisiertes Team arbeitete mehrere Monate an dieser Restaurierung, die größtenteils in Handarbeit erfolgte.
Auch andere Elemente erforderten außergewöhnlichen handwerklichen Aufwand. In der Panoramabar wurden die Kristalllüster mit jeweils mehr als 15.000 Kristallen vollständig überarbeitet. Jede Komponente wurde geprüft, gereinigt und teilweise ersetzt, um die ursprüngliche Wirkung wiederherzustellen.

 

Neue Anforderungen an Nutzung und Komfort

 

Neben der denkmalgerechten Restaurierung standen auch funktionale Anpassungen im Fokus. Das Gebäude wurde erstmals vollständig barrierefrei erschlossen. Ein neuer Aufzug ermöglicht nun den Zugang zum Kinosaal, zudem wurden rollstuhlgerechte Sanitäranlagen integriert.
Auch der Kinosaal selbst wurde leicht verändert. Um den Komfort für Besucher zu erhöhen, wurde die Zahl der Sitzplätze reduziert. Statt zuvor über 550 Sitzen stehen nun 506 Plätze zur Verfügung. Dadurch entstand mehr Beinfreiheit, ohne die charakteristische Gestaltung des Saals zu verändern.
Darüber hinaus wurde das Kino stärker auf unterschiedliche Veranstaltungsformate ausgerichtet. Neben Filmvorführungen dient das Gebäude heute auch als Veranstaltungsort für Symposien, Lesungen oder Kongresse.

Kino International Innen

Ein Beispiel für erfolgreiche Denkmalsanierung

 

Mit der Wiedereröffnung knüpft das Kino International an seine lange Geschichte als Premierenkino und kultureller Treffpunkt an. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie anspruchsvoll und zugleich erfolgreich die Modernisierung bedeutender Architektur der Nachkriegszeit sein kann.
Für Architekten und Planer bietet die Sanierung ein anschauliches Beispiel für den sensiblen Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand. Entscheidend war dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Planungsbüro, Restauratoren, Fachplanern und Denkmalschutzbehörde.
Das Ergebnis ist ein Gebäude, das äußerlich nahezu unverändert wirkt und dennoch technisch vollständig erneuert wurde. Genau dieser Balanceakt zwischen Bewahrung und Weiterentwicklung macht die Sanierung des Kino International zu einem bemerkenswerten Projekt der aktuellen Baupraxis.

Den neuen HOAI-Kommentar können Sie direkt hier bestellen:

Diesen Artikel teilen: