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Revitalisierung statt Abriss: Das Arabellahaus bekommt ein zweites Leben

Hochhaus München

Münchens Kult-Hochhaus wird neu erfunden


Jahrzehntelang galt es als ausgemacht: Dem Arabellahaus in München-Bogenhausen, zwischen 1966 und 1969 errichtet, droht irgendwann der Abriss. Die Haustechnik war veraltet, eine Erneuerung im laufenden Betrieb schien technisch kaum machbar. Seit kurzem ist klar, dass es anders kommt. Die Bayerische Hausbau Real Estate (BHRE) hat ein Konzept vorgelegt, das den Erhalt des 23-geschossigen Hochhauses nicht nur ermöglicht, sondern daraus ein architektonisches Statement macht.
Möglich wurde der Kurswechsel durch zwei Faktoren: Erleichterungen in der Bayerischen Bauordnung sowie innovative bautechnische Lösungen, die eine Erneuerung der Gebäudetechnik nun auch im Bestand erlauben. Das Büro Hild und K unter der Leitung von Prof. Andreas Hild ist für die architektonische Gestaltung und das Erweiterungskonzept verantwortlich, die Projektsteuerung übernimmt SBP Bau- und Projektentwicklung.

Öffnung nach außen, Verdichtung nach innen


Das neue Nutzungskonzept setzt auf eine stärkere Verzahnung des Gebäudes mit dem öffentlichen Raum. Eine ebenerdige, mehrgeschossige Passage soll künftig eine großzügige Fußgängerverbindung und eine Sichtachse zum Rosenkavalierplatz schaffen. Damit wird das bisherige „Stadt-in-der-Stadt”-Prinzip des Arabellahauses weiterentwickelt: Innen bleibt der bewährte Mix aus Wohnen, Hotel, Klinik, Büro, Einzelhandel und Gastronomie erhalten, ergänzt durch preisgedämpften Wohnraum.
Das spektakulärste Element des Entwurfs ist die Außenrolltreppe entlang der Fassade, die vom Erdgeschoss bis auf das Dach führen soll. Sie wäre nach aktuellen Planungen die längste Außenrolltreppe Europas. Das Dach selbst wird erstmals öffentlich zugänglich gemacht: Grün- und Erholungsflächen, Gastronomie, Kulturangebote und kostenfreie Aufenthaltsbereiche sind vorgesehen. Zusätzlich entsteht auf Höhe des 15. bis 19. Stockwerks ein sogenannter Skygarden, ein Durchbruch in der Gebäudestruktur, der Mietern und Besuchern eine Terrasse mit Aussicht bietet.


Nachhaltigkeit als Kernargument


Für Architekten und Bauplaner dürfte vor allem der konstruktive Ansatz von Interesse sein. Statt die bestehende Tragstruktur aufzugeben, wird sie durch den Anbau sogenannter Regale, also neuer Gebäudeschichten, ergänzt und aufgewertet.
Gleichzeitig soll das Gebäude technisch, energetisch und funktional auf den neuesten Stand gebracht werden: neue Haustechnik, verbesserte Dämmung, energetische und digitale Optimierung des Gebäudebetriebs. Geprüft werden zudem Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen. Das Projekt könnte damit zum Referenzbeispiel für den Umgang mit großen Bestandsimmobilien aus der Nachkriegszeit werden.


Bauphase ab 2030


Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im Frühjahr 2030 beginnen und bis Ende 2034 dauern. Mieter wurden bereits vorab informiert: Alle Bewohner mit unbefristeten Mietverträgen müssen spätestens vor Baubeginn ausziehen. Die BHRE hat nach eigenen Angaben kurzfristig beziehbare Ersatzwohnungen in einem anderen Objekt vorgehalten und plant weitere Einheiten in einem Neubauprojekt.
Das Arabellahaus umfasst heute rund 87.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Zum Ensemble gehören neben dem Hochhaus auch die flankierenden Büro- und Geschäftshäuser am Rosenkavalierplatz. Mit dem Revitalisierungsprojekt soll ein Gebäude, das nach sechs Jahrzehnten das Ende seines technischen Lebenszyklus erreicht hat, in eine neue Epoche geführt werden – ohne seinen prägenden Charakter für das Münchner Stadtbild aufzugeben.

Visualisierung Hochhaus München
Fassade Hochhaus

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